Artistic Citizenship als Chance für die Musikpädagogik | 16. bis 17.9.2022 Hochschule für Musik Freiburg

Aktuelles

Artistic Citizenship als Chance für die Musikpädagogik Call for papers für das Symposium anlässlich des 50jährigen Bestehens der ALMS vom 16. bis 17.9. 2022 an der Hochschule für Musik Freiburg

Angesichts der derzeit zu erlebenden tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandlungsprozesse wird von den Künsten immer stärker eine Haltung gefordert, die das eigene Tun mit einer gesellschaftspolitischen Perspektive in Verbindung bringen kann. Gerade in einem Land wie Deutschland, in dem die Betonung künstlerischer Autonomie eine lange Tradition hat, mag diese Forderung zunächst ungewohnt erscheinen. Für die Musikpädagogik haben Marissa Silverman, David Elliott und Wayne Bowman vor einigen Jahren einen fundamentalen „Change in Music Teacher Education“ gefordert. Musikpädagogisches Handeln kommt, so die AutorInnen, künftig nicht umhin, zu fragen, auf welche Weise es zu notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen beitragen, wie es soziokulturelle, politische, ökologische und geschlechtsspezifische Veränderungsprozesse unterstützen und wodurch es die Entwicklung hin zu einer künstlerischen Bürgerschaft (artistic citizenship) befördern kann. In diesem Sinne muss auch nach einer Neubewertung der Dimension des Künstlerischen gefragt werden.

Das Jubiläumssymposium, das wir anlässlich des 50jährigen Bestehens der ALMS vom 16. bis 17.9.2022 an der Musikhochschule Freiburg ausrichten wollen, stellt sich die Frage, welche Spielräume sich für die außerschulische Musikpädagogik in diesem Zusammenhang bieten. Es knüpft damit an Diskurse an, die gegenwärtig an verschiedenen Orten der Fachcommunity intensiv gestellt werden (vgl. Berg/Lindmeier/Röbke 2020 oder das Symposium der WSMP 2021 [Kritik! Ethische und politische Dimensionen der Musikpädagogik]). Es geht dabei um nichts Geringeres als die Frage, wie musikalische Bildung im 21. Jahrhundert gedacht werden muss, wenn sie einen Beitrag zur Bewältigung der massiven gesellschaftlichen Umbruchprozesse leisten soll? Gemäß der Kernaufgabe der ALMS, die Inhalte und Strukturen der musikpädagogischen Studiengänge in Hinblick auf die Herausforderungen des Berufslebens zu reflektieren, soll dabei insbesondere das Spannungsfeld zwischen neuen beruflichen Rollenbildern und musikpädagogischer Ausbildung im Fokus stehen.

Im Einzelnen könnte gefragt werden:

  • Was bedeutet die Forderung nach einem verstärkten gesellschaftspolitischen Engagement von MusikpädagogInnen für das eigene Fachverständnis? Wo lassen sich Anknüpfungspunkte zu bisherigen beruflichen Selbstbildern herstellen, wo müssten neue Wege beschritten werden?
  • Auf welche Weise kann dieses erweiterte Fachverständnis in die Hochschullehre einfließen? Wie können umgekehrt hochschulische Veränderungsprozesse (z.B. in Richtung Digitalisierung oder kollaborative Lernprozesse) in die musikpädagogische Berufspraxis einfließen?
  • Wie können sich Musikschulen als Orte etablieren, von denen künstlerische Impulse für die Gestaltung und Entwicklung des lokalen Umfelds ausgehen?
  • Welche künstlerischen Visionen und weiterführenden Kompetenzen müssen MusikpädagogInnen mitbringen, um Veränderungsprozesse in ihrer jeweiligen Region zu gestalten?
  • Auf welche Weise und mit welchen Zielsetzungen können kollaborative Bündnisse zwischen MusikpädagogInnen und AkteurInnen anderer Berufsfelder gestaltet werden? Inwieweit kann kollaboratives Arbeiten bereits im Rahmen musikpädagogischer Studiengänge praktiziert und erlernt werden?
  • Inwieweit müssten die Aufgabenbeschreibungen für Musikschullehrkräfte modifiziert werden, um diese Anforderungen bewältigen zu können?
  • Inwieweit lässt sich musikpädagogisches Handeln durch künstlerische Forschung erweitern?
  • Welche Forderungen ergeben sich aus veränderten beruflichen Rollenbildern für die künstlerisch-pädagogische Ausbildung an den Musikhochschulen?

Da, wie diese Fragen zeigen, die Bewältigung dieser Aufgaben auf die Befähigung zum kollaborativen Arbeiten angewiesen ist, wäre es wünschenswert, wenn es auf dem Symposium zu einer möglichst großen Zahl gemeinschaftlich verantworteter Beiträge käme. Zugleich setzen wir uns als Ziel, dieses Symposium nahezu ausschließlich aus eigenen Kräften, d.h. aus den Beiträgen der ALMS-Mitglieder, zu bestreiten. Insofern appellieren wir an alle Mitglieder, sich untereinander zu vernetzen und gemeinsame Themenvorschläge einzureichen (Einzelbeiträge sind natürlich nicht ausgeschlossen).

Wir wollen die Formate des Symposiums nicht vorschreiben, sondern wünschen uns vielfältige und kreative Vorschläge, die von einem klassischen Vortrag, über Diskussionsimpulse und World-Cafés bis hin zur Präsentation gelungener Praxisbeispiele reichen können. Ebenfalls wünschen wir uns keine reine Theoriedebatte, sondern ein farbiges und abwechslungsreiches Programm, in dem es durchaus auch zu vielfältigen musikalischen Beiträgen kommen darf!

Themen und kurze abstracts (ca. eine Seite) zu Inhalten und Formaten sollten bis zum 30.9.2021 an Wolfgang Lessing geschickt werden: w.lessing@mh-freiburg.de

Das Symposium bildet zugleich den Endpunkt des hochschulübergreifenden Seminars der AG KPS, das vom 13. bis 17. 9. 2022 an der MH Freiburg zur selben Thematik stattfinden wird. Es ist das Ziel, dass die teilnehmenden Studierenden im Rahmen dieses Seminars eigene Arbeiten und Beiträge entwickeln, die auf dem Symposium präsentiert werden können.

Das Planungsteam

Andreas Doerne
Corinna Eikmeier
Wolfgang Lessing
Michael Petermann
Renate Reitinger

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